Barbara Büchners Unheimliche Phantastik
Barbara Büchners UnheimlichePhantastik

Wenn Sie Interesse an meiner Arbeit haben und ein neues Projekt planen, wenden Sie sich bitte an die   Agentur Ashera  die mich nach einer langen, fruchtbaren literarischen  Zusammenarbeit mit Alisha Bionda nun auch geschäftlichvertritt.

Alisha Bionda

Agentur Ashera

 

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Alisha Bionda interviewt BB

Ein

A.B.: Als Herausgeberin zahlreicher Anthologien weiß ich, dass diese Literaturgattung leider ein Schattendasein im deutschsprachigen Raum fristet. Welchen Stellenwert nimmt diese bei Dir ein? Worin siehst Du die Vorteile von Kurzgeschichtensammlungen?

 

Ich lese sie sehr gerne; Kurzgeschichten machen ja einen Großteil der klassischen Gruselliteratur aus. Warum sie ein Schattendasein führen, ist mir vollkommen unbegreiflich. Vielleicht denken unerfahrene Leser, so eine Kurzgeschichte sei schnell und leicht zu schreiben, sind ja nur ein paar Seiten? Haha. Nichts - außer vielleicht einem Haiku - ist schwieriger zu schreiben als eine Kurzgeschichte. Da muss jedes Wort sitzen. Bei einem Roman kann man schon einmal herumlabern, aber bei einer Kurzgeschichte, niemals. Die Pointe muss haarscharf zugespitzt sein - deswegen haben auch nur Kurzgeschichten Pointen, bei denen man förmlich aufschreit vor Schrecken oder Verblüffung (einige finden sich in diesem Band hier). Das Faszinierende an einer Anthologie ist für mich, dass da ja nicht einfach irgendwelche Kurzgeschichten zwischen zwei Buchdeckel gepresst werden, sondern alle ein Leitmotiv haben - im Fall von AM ENDE DER REISE die Illustrationen von Crossvalley Smith. Diese mögen zwar unterschiedlich sein, aber sie tragen doch alle unmissverständlich die Handschrift ein und desselben Künstlers. Also müssen alle Geschichten in diesem Band zugleich vom Charakter her ähnlich, von der Gestaltung aber ganz unterschiedlich sein, vom Brutal-Höllen-Horror bis zur täuschend lieblichen Einhorngeschichte von Tanya Carpenter (übrigens meine Lieblingsgeschichte). Ich wüsste ja gerne, was herauskäme, würde man einem Dutzend Autoren eine einzige Illustration als Inspiration anbieten! Dass die Texte auch dann ganz unterschiedlich wären, weiß ich aus eigener Erfahrung, weil ich zu einigen der Illus im Buch seinerzeit selbst Geschichten geschrieben habe (es sollte ein Band namens "Nightmares" werden, der durch den überraschenden Tod des Künstlers dann nicht mehr zustande kam) und zu vollkommen anderen Ideen inspiriert wurde. Wer denkt schon bei einem haarsträubenden Höllendämon als erstes daran, eine rührend-witzige Geschichte zu schreiben, wie Sophie Oliver es getan hat? Oder das Bild der verunfallten Kutsche - das mich lange in seinen kalten Fingern hielt - zu einem augenzwinkernden Histörchen auszubauen, wie es Uschi Zietsch gelungen ist? Wenn Romane Gemälde sind, dann sind Anthologien Kaleidoskope.

 

A.B.: Was hat Dich dazu bewogen eine Story zu dieser besonderen Anthologie zu schreiben und hattest Du sofort einen "Flash", als ich Dir "Deine" Grafik von Crossvalley Smith geschickt habe?

 

Nun, ich war sehr froh, als die Idee mit der Gedenkanthologie aufkam, ich wollte CS nicht so einfach aus meinem Leben verschwinden lassen - dazu hat er mir zu viel geschenkt. Und es hat mich fasziniert, hier einmal andersherum zu arbeiten, dass eben die Inspiration von der Illu ausgeht, statt wie sonst vom Text. Und ja, ich hatte sofort einen Flash! Diese Black Mill mit den an den Fludern pendelnden Leichen, dahinter musste eine Geschichte stecken, die in Rumänien spielt (keine Ahnung, warum). Dann der Untertitel "Die Knochenmühle", der ebenfalls sofort aus dem Unterbewusstsein heraufgehüpft kam. An sich wird eine Knochenmühle ja weder von einem Müller noch vom Teufel bedient, sondern vom Angestellten eines Krematoriums, aber nie werde ich die Faszination vergessen, die mich angesichts eines solchen Apparats überkam - wie da die doch recht unansehnlichen Überbeibsel aus dem Ofen sich in hauchfeine, schwarzgraue, leicht schimmernde Asche verwandeln, die man ohne Grausen in einer Urne aufbewahren oder ins Meer streuen, ja sogar zu einem Edelstein pressen kann! Also mahlt in meiner Geschichte der Teufel, der ja in Geldangelegenheiten ein gutes Händchen hat, Pferdehufe und Totengerippe zu Goldkörnern - vorerst nicht ahnend, dass der Müller ihn betrügt...

 

A.B.: Schildere den Lesern doch bitte mal kurz worin es in Deiner Story geht.

 

Das Intro ist eine angebliche rumänische Volkssage - sie stammt von mir - über einen geldgierigen Müller, der den Teufel gegen gutes Geld auf einem Gang seiner Mühle Pferdehufe und Totengerippe mahlen lässt. Als er draufkommt, dass sein neuer Teilhaber diese zu Goldkörnern mahlt, überkommt den Müller die Gier, er betrügt den Teufel, der ihn zur Strafe samt seiner ebenso  habgierigen Frau an den Fludern der Mühle aufhängt. Dreihundert Jahre später wollen zwei Parapsychologen untersuchen, ob die Knochenmühle jemals wirklich existierte. Zu ihrem Staunen finden sie eine gut erhaltene Mühle, in der sogar noch jemand am Mahlen ist, wie das Klappern der Mühlsteine und das Drehen der Fludern verraten. Leider sind auch Parapsychologen nur Menschen, und beim Anblick haufenweise herumliegender Goldkörner ... nun ja. Es nimmt ein böses Ende.

 

A.B.: Wie gefällt Dir persönlich die textliche Zusammensetzung dieser Anthologie? Wie gefällt Dir die Optik? Was hat nach Deiner Sicht der Leser zu erwarten?

 

Die Optik orientiert sich an den übrigen Publikationen des Fabylon-Verlages, die sehr edel ist - Applaus für das Atelier Bonzai - und gut zu der Geschichtensammlung passt. Kein Wunder, hat CS doch zahlreiche Titel von Fabylon mitgestaltet! Textlich ist es ein interessantes Kompendium höchst individueller Geschichten, die zwar nicht alle meinen persönlichen Geschmack treffen, aber alle die Vorgabe erfüllen, etwas Originelles und Persönliches zu den Illustrationen zu schaffen. Das ist ja - um wieder bei der ersten Frage anzuknüpfen - das Spannende an Anthologien, dass sich hier rund um ein Thema ein Fächer persönlicher Geschichten öffnet.

 

A.B.: Wenn Du den Lesern sagen solltest, was das Besondere dieser Anthologie ist, was wäre das?

 

Besonders ist, dass hier die Erzählungen aus den Illustrationen entspringen und von diesen vorgegeben werden. Einerseits also ein Korsett, andererseits eines, das - wie jedes gute Korsett - den Körper formt, statt ihn einzuschnüren. So sind viele ganz unterschiedliche Geschichten entstanden, grausige, witzige, satirische, herzergreifende, schnurrige ... Hier hat Kunst wiederum Kunst hervorgebracht. Ach, wenn CS noch unter uns weilte! Dann hätten wir ihm in einem Blindversuch diese Geschichten vorlegen können und ihn bitten, sie zu illustrieren. Was da wohl Aufregendes herausgekommen wäre? Jedenfalls finde ich, dass hier eine sehr gelungene Anthologie vorliegt, die einem großen Künstler ein würdiges Gedenken bewahrt.

 

Herausgeberin Alisha Bionda hat alle KünstlerInnen, die einen Beitrag für AM ENDE DER REISE geliefert haben, interviewt; diese Interviews sind auf LITERRA einzusehen.